Wegen Cannabisanbau: Haftstrafe für Schrank

Erstmals wurde in Deutschland ein Schrank zu einer Freiheitsstrafe verurteilt- er hatte eigenmächtig Cannabis angebaut. Auch wenn es sich „nur“ um eine einzige Pflanze handelte, sei eine einjährige Haftstrafe für den vollautomatisierten Schrank Seedo durchaus angemessen, befand Richterin Andrea Lohrmann. Es sei ein besonders schwerer Fall, da er sich beim Dealen wohl eine goldene Tür und zusätzliche Fächer verdienen wollte. „Eigenbedarf können wir hier aussschließen, da Schränke bekanntlich kein Cannabis konsumieren“, sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung. Der Verteidiger hatte für Freispruch plädiert, da Seedo lediglich auf Anweisung gehandelt habe.

Offiziell kommt der vollautomatisierte Schrank Seedo für den Cannabis-Anbau erst 2018 auf den Markt. Ein ehemaliger deutscher Mitarbeiter des Herstellers Seedolab hatte ihn als Abschiedsgeschenk für „eine entspannte Rente“ bekommen. Statt ihm freut sich jetzt der neue Zellengenosse von Seedo über seinen neuen Mitbewohner, wie ein Beamter aus der Berliner Justizvollzugsanstalt Tegel berichtete. „Anbauen kann der ohne Wasseranschluss nicht, aber er hält seine Fresse und wenn ich pissig bin, kann ich ihm die auch polieren“, habe der Insasse mit einem hämischen Grinsen gesagt.

„Erhalt der Schränkevielfalt“ oder Abschiebung?

Das weiße, etwa ein Meter große Einrichtungsstück hat mittlerweile viele Unterstützer hinter sich versammelt. Der Verband für den Schutz von Schrankrechten hat eine Unterschriftenaktion gesammelt, um den Freispruch des Schrankes zu bewirken. Es haben bereits 6000 Menschen und eine halbe Million Schränke ihre Unterstützung zugesichert. Ob sich ein solcher Gegenstand beteiligen will, lässt sich leicht herausfinden: Lässt sich seine Tür öffnen, ist er auch offen für die Aktion. Funktioniert dies nicht, gilt seine Zustimmung ebenso.

Der Sprecher des Verbandes, ein teurer CREA Luxus-Schrank, ließ unsere Anfrage zu einer Stellungnahme unbeantwortet. Stattdessen sind Schränke jetzt in der Politik Gesprächsthema. Während die Grünen den „Erhalt der Schränkevielfalt“ bereits in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat, will die Alternative für Deutschland (AfD) den straffällig gewordenen Seedo-Schrank schnellstmöglich wieder nach Israel abschieben.

 

 

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1 Antwort

  1. 19. Dezember 2017

    […] die Richter in Karlsruhe, dennoch sei „Gesetz nun mal Gesetz“. „Wir können doch kein anderes Urteil treffen, nur um die medizinische Versorgungslage eines Landes zu retten“, sagte der Vorsitzende […]

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