Skandal: Völkischer Siedler weigerte sich an Hitlers Geburtstag, die Deutschlandflagge zu hissen

Alexander G. (21) war bis vor zwei Jahren Teil der Völkischen Gemeinschaft in Ludwigslust, welche sich im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns befindet. Am 20.April, dem bislang wichtigsten Tag in seinem Leben, wurde er zu Hause rausgeworfen und kam bei Hausbesetzern in Berlin unter. Er hatte sich anlässlich Hitlers Geburtstag geweigert, die Deutschlandflagge auf dem Bauernhof seiner Eltern zu hissen.

Warum er dies tat und was das dies für Folgen hatte, verrät er uns in einem Exklusiv-Interview.

Zur Erklärung: Völkische Siedler sind ein Verbund aus Menschen, die passend zu ihrem rückständigen Denken, eher altertümlichen Berufen nachgehen. So sind sie meist Bauern, Mittelalterschmiede oder Imker.
Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes und des Ackerbaus probieren sie ganz subtil rechtes Gedankengut in der Gemeinde zu verbreiten.
Bezogen auf das Wort subtil, möchte ich jedoch die Vorstellung von einem Völkischen Siedler revidieren, der aus einem Busch am Straßenrand heraus, leise den vorbeilaufenden Passanten aus „Mein Kampf“ vorliest.
Vielmehr probieren sie durch spaßige Kinderfeste und mit vielen bunten Luftballons den Zöglingen wichtige Themen wie Reinrassigkeit nahezu bringen.
Dieser Personengruppe könnte man auch zutrauen, dass sie das Wort Bücherverbrennung wieder positiv besetzen möchten.Sie lassen sogar den Ku-Klux-Klan wie eine Vereinigung aus Hobbyrassisten aussehen, welche heimlich unter ihren weißen Roben, den Klängen von Beyoncés größten Hits lauschen.

Bildungsbad: Hallo Herr G., wie ich sehe, haben Sie sich den 20.04. sogar auf ihren Unterarm eintätowiert. Wie kommt es dann, dass Sie die Deutschlandflagge nicht gehisst haben?

Alexander G.: Wo soll ich anfangen. Einer der Gründe war, dass ich genug von den alljährlichen Vortrag meines Vaters, über die Arier als Herrenrasse hatte. Als Zeigestock benutzte er immer eine maßstabgetreue Nachbildung von Hitlers ausgestreckten, rechten Arm, den er selbst aus Pappmaché gebastelt hat, das ist doch krank.

Bildungsbad: Also wollten Sie damit ein Zeichen gegen die Ansichten ihrer Familie setzen?

Alexander G.: Richtig, ich hatte einfach genug von alldem. Sie sollten wissen, dass arische Familien viele Kinder kriegen. Rassismus hin oder her, aber haben Sie sich schon mal mit fünf Geschwistern ein WLAN teilen müssen, das nervt.  Wir durften auch immer nur die germanischen Namen für die Monate benutzen. Aus September wurde dann Scheiding. Ich glaube, den Witz haben meine Eltern bis heute nicht verstanden. So zog sich das durch meine ganze Kindheit. Dass beim Schach die Farbe Weiß immer gewinnen musste, ist da noch harmlos.

Bildungsbad: Ich verstehe. Und wie war die Reaktion ihrer Eltern, nachdem Sie sich weigerten, die Flagge zu hissen?

Alexander G.: Ich wurde rausgeworfen und bin mit dem Zug nach Berlin. Die Einzigen, die mich aufgenommen haben, war dann eine Gruppe von netten Hausbesetzern in Kreuzberg.

Bildungsbad: Die hatten kein Problem mit ihrer Vergangenheit?

Alexander G.: Erstaunlicherweise nicht, die hatten mehr Mitleid mit mir. Sie baten mich nur scherzhaft darum, vor dem Essen nicht alle drei Strophen der alten Nationalhymne zu singen und meinen Ariernachweis sollte ich auch nicht am Kühlschrank anbringen. Ich habe diesen dann lieber kommentarlos in meiner Hosentasche gelassen.

Bildungsbad: Haben Sie denn noch Kontakt zu Ihren Geschwistern?

Alexander G.: Denen ist es wahrscheinlich noch nicht mal aufgefallen, dass ich fehle. Meine Eltern hätten auch genauso gut eine Vogelscheuche in mein Bett legen und die rechte Hand mit einer Schnur an der Decke befestigen können.

Bildungsbad: Wie sehen Ihre weiteren Zukunftspläne aus?

Alexander G.: Ich möchte meinen Eltern gerne sagen, dass Reinrassigkeit, in einen kleinen Genpool wie dem von Mecklenburg-Vorpommern echt keine gute Idee ist und ich will gerne irgendwas mit diesem Tattoo anstellen. Ich hab überlegt, ob ich aus dem 20.04 vielleicht 20:04 mache – das ist die Ankunftszeit meines Zuges in Berlin gewesen.

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1 Antwort

  1. nora bach sagt:

    unglaublich — klingt wie Frau Holle!!!

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