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Nach verfassungswidriger Studienplatzvergabe: Knapp 400.000 Ärzten droht Aberkennung ihres Medizin-Studiums

Wenn die Beiden nur vorher gewusst hätten, was sie damit anrichten. Nachdem zwei Bewerber für das Studienfach Humanmedizin wegen der verfassungswidrigen Auswahlkriterien erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht klagten, droht den Absolventen des alten, nicht verfassungsgemäßen Studiengangs nun die Aberkennung des Studienabschlusses. Betroffen wären alleine rund 350.000 Ärzte, die ohne Abschluss auch ihre Zulassung als Arzt verlieren würden.

Für die Versorgung des ganzen Landes blieben dann 40.000 Ärzte übrig, die ihr Studium vollumfänglich im Ausland absolviert haben. „Viel zu wenig“, sagen Gesundheitsexperten. Das erkannten zwar auch die Richter in Karlsruhe, dennoch sei „Gesetz nun mal Gesetz“. „Wir können doch kein anderes Urteil treffen, nur um die medizinische Versorgungslage eines Landes zu retten“, sagte der Vorsitzende des Ersten Senats im Bundesverfassungsgericht, Ferdinand Kirchhof.

„Die meisten Ärzte sind doch schon viel zu alt fürs Studieren“

Die Bundesärztekammer zeigte sich angesichts des Urteils empört. „Rund 40% aller Ärzte sind über 65 Jahre alt und 25% nur knapp davon entfernt- die sind doch viel zu alt für die Uni“, sagte Präsident Frank Ulrich Montgomery. Viele seien altersbedingt auch schon sehr vergesslich und nicht einmal mehr in der Lage, ihre eigenen Medikamente richtig einzunehmen.

Die Beschwerde wird aber wohl nicht mehr viel ändern. Bund und Länder müssen die Auswahlkriterien für das Studienfach Humanmedizin nun bis Ende 2019 neu regeln. Ob sich die Chance der beiden Kläger auf einen Studienplatz durch das Urteil nun verbessert hat, darf zumindest angezweifelt werden.

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